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Adventskalender - 6. Dezember Nikolaustag

Bist Du Team Nikolaus (Schenken) oder Team Knecht Ruprecht (Loslassen)?

Glaubst Du an den heiligen Nikolaus von Myra? Er soll ebenfalls im 3. Jahrhundert in der heutigen Türkei (Nähe Antalya) gelebt haben. Als Sohn aus reichem Hause hat er sich unerkannt in den Dienst der Menschheit gestellt. Er versorgte die Menschen, die es brauchten mit allerlei Gaben. Er rettete laut der Sage aber auch Seeleute aus Seenot oder Unschuldige aus dem Kerker. Seine besondere Zuwendung galt jedoch stets den Kindern und den Müttern.
So war ihm die Unterstützung der Menschen nicht minder wichtig als wieder Gerechtigkeit herzustellen. Der Nikolaus und seine Art etwas zurückzugeben wird heute noch so gefeiert und er wurde dankbar von der Kirche als Heiliger auf diesen Platz am 06. Dezember gestellt.
Denn damit wurde er zur übergeordneten Instanz für all die heidnischen, altgermanischen und keltischen Bräuche, die bis heute in dieser Zeit verankert sind. Bei uns in Oberstdorf und Umgebung sind es so an diesem Tag die Klausen, die ihr Unwesen treiben. Dem wilden "Klöüs" werden einige Bedeutungen zugeschrieben und er kommt dem bekannten Gefährten des Nikolaus, dem Knecht Rupprecht ziemlich nahe. Wir wissen wenn Nikolaus und sein dunkler Gefährte gemeinsam unterwegs sind, dann ist der Nikolaus der Boss und Knecht Rupprecht hat seinen Anweisungen Folge zu leisten. 
Das Gute und das Strafende stellt dieses Duo dar und erfüllt damit wieder den Gerechtigkeitsgedanken. Die Klausen in Oberstdorf bewegen sich aber fernab dieser Idylle...

"Klöüsedag"... Allein das Wort löst auch heute noch ein leises Angstrieseln in mir aus. Ganz ehrlich jeder 6. Dezember war bestimmt vom Klausentreiben abends, ganz egal wie liebevoll sich der Nikolaus tagsüber präsentiert hatte. 
"Ich sag's den Klausen" war ein probates Druckmittel der meisten Eltern, schon Wochen vorher. Und möglichst niemand war nach Einbruch der Dunkelheit noch draußen unterwegs.
D'Klöüse sind eigentlich junge Männer die in Felle und/oder Tierhäute gekleidet, mit einem Klöüsegrind (Kopf), der ebenfalls aus Fellen besteht und mit Hörnern besetzt ist, mit Schealla (Schellen vom Vieh) umgeschnallt, einer langen Weidenrute in der Hand heute Abend durch's Dorf ziehen.
Heute gleicht das manchmal einer Art "Schaulaufen", früher, erinnere ich mich, waren die Straßen bis auf wenige, die eine Mutprobe zu bestehen hatten, menschenleer. Ich bin in einem der umliegenden Dörfer von Oberstdorf aufgewachsen und da zogen die Klausen am Nikolausabend von Haus zu Haus. Stundenlang habe ich immer wieder aus dem Fenster gelauscht ob ihre Schellen und ihre Gebrüll zu hören waren. Für mich hat dieser Brauch bis heute etwas sehr Archaisches und bis heute berührt er mich tief bis in die Kinderseele hinein.
Der Ursprung des Klausentreiben liegt weit zurück, keiner vermag heute genau zu sagen, wo es letztlich entstanden ist. Die verbreitetste Annahme ist dass es ein Brauch aus der altgermanischen Zeit ist und dass durch die furchterregenden Gestalten und den Lärm den sie veranstalten, die Wintergeister, die Dämonen, die sich in diesen langen dunklen Nächten draußen herumtreiben, vertrieben werden sollten. 
Wie groß muss die Angst vor Geistern und Dämonen gewesen sein, dass man so eine Gegenwehr zelebrierte? 

Und nachdem wir gestern schon auf den Anteil der Gabe , in Anlehnung an den heiligen Nikolaus, geschaut haben, ist heute ein guter Tag um wahrzunehmen, welche Geister und/oder Dämonen gilt es für mich zu vertreiben. Das klingt so wild wie die Klausen sich zeigen wenn sie durch die Gassen rumpeln. Und vielleicht passt das heute auch genau für Dich, diese Wildheit. Dann geh an einen Platz an dem Du ungestört lärmen kannst und tu es den Klausen gleich. Vertreibe die Dämonen mit einer Trommel, einer Glocke, einer Klingel oder in dem Du zwei Topfdeckel aneinander schlägst. Schreie oder töne dazu wenn Dir danach ist. Genieße es in Deiner Wildheit zu stehen, die pure Kraft zu demonstrieren und zu spüren DU bist so viel stärker als jeder (hausgemachte) Dämon.

Wenn Dir das aber viel zu wild ist, Unbehagen in Dir auslöst oder Du die Intention verspürst Dich noch weiter in Dein Schneckenhaus zurückzuziehen, dann ist das kein guter Weg um den Widerständen in Dir zu begegnen. Und es gibt natürlich auch viele sanfte Wege um sich dem zu stellen, was uns im Wege steht. Im alten Sprachgebrauch stehen da die Dämonen und Geister und allein diese Wortwahl kann uns schon erschrecken. Es geht um die Anteile in uns oder auch im Außen, die es vereiteln, dass wir in unsere volle Kraft kommen. Oft sind das nicht die Wintergeister, sondern unsere Selbstzweifel und unsere Ängste. Wir zeigen uns nicht in unserer vollen Größe und in unserem vollen Potential, weil wir das Gefühl haben noch nicht perfekt zu sein oder uns davor fürchten kritisiert oder abgewertet zu werden.

Es gilt also in jedem Fall erst einmal unsere ureigenen "Dämonen" zu benennen. Was möchte ich "vertreiben" bzw was möchte ich gerne loslassen um unbeschwerter nächste Schritte gehen zu können? Was davon liegt in mir und gibt es Anteile von Außen, so eine Art moderne Wintergeister? 
Es ist ein maßgeblicher Schritt sich dessen bewusst zu werden. Manchmal ist es gruseliger so einem Glaubenssatz in uns zu begegnen wie, "Das schaffst Du doch sowieso nicht", als einem Klausen.
Wir kommen in den folgenden Tagen nochmal zum Thema "Loslassen". So ist es für heute ausreichend das Offensichtliche zu "vertreiben". Das kann auch in der Form sein, dass wir uns Zettel schreiben für das was wir loslassen möchten, die wir bei Einbruch der Dunkelheit verbrennen. Wir können diese Anteile, die manchmal fast so alt sind wie wir selbst, auch liebevoll einem Fluß übergeben oder sie in einer Meditation in die Sphären des Universums entlassen. Finde den Weg der heute für Dich passt. Konstruiere nichts. Wenn etwas bereit ist zu gehen, wird es sich zeigen und der Weg wird sich und Dich finden.

Es ist natürlich auch möglich dass Du Dich heute überhaupt nicht mit irgendwelchen Dämonen oder Widerständen oder Hindernissen auseinander setzen magst. Dann steht es Dir frei noch einmal im Sinne des heiligen Nikolaus zu handeln. Bringe eine Herzensgabe in die Welt oder beschenk Dich selbst.
Finde heute DEINEN Weg der barmherzigen Gerechtigkeit, für Dich, für diesen Tag, für diese Welt.

Eure Gloria

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