Heute an diesem 4. Dezember steht eine außergewöhnliche Frau in unserem Fokus, nämlich die heilige Barbara von Nikomedia, deren Namenstag heute gefeiert wird. Das Wort "heilig" vor ihrem Namen lässt uns schon ahnen, dass Barbara auf eine besondere Geschichte zurückblickt. "Heilig" gesprochen werden ja zumeist so genannte "Märtyrer" und genau so ist es auch bei der heiligen Barbara.
Jetzt hat das Wort "Märtyrer" heute einen komischen Beigeschmack. Das Wort an sich leitet sich ursprünglich vom Altgriechischen ab und bedeutet in seinem Ursprung "Zeuge". Im Christlichen Glauben muss ein Märtyrer oft Schlimmes durchstehen, meist sich opfern bis in den Tod hinein, um eben als Märtyrer anerkannt zu werden. So wissen wir es auch von der heiligen Barbara.
Barbara lebte im 3. Jahrhundert in Nikomedia (das heutige Izmit in der Türkei) als einzige Tochter eines reichen Kaufmanns. Schon als Jugendliche bekannte sie sich zum christlichen Glauben, was ihrem Vater sehr mißfiel. Deshalb sperrte er sie in einen Turm um ihren Willen zu brechen. Aber Barbara hielt an ihrem Glauben unbeirrt fest. So dass ihr Vater sie schließlich selbst vor die Obrigkeit brachte und damit ins Gefängnis. Auf dem Weg in den Kerker verhedderte sich der Sage nach in Barbara's Kleid ein Zweig von einem Kirschbaum. Diesen bemerkte sie erst in der Zelle und stellte ihn dort ins Wasser. Der Vater war so ungehalten über Barbara's unerschütterliches Glaubensbekenntnis dass er sie selbst dafür enthauptete. Daraufhin wurde er augenblicklich durch einen Blitzschlag aus dem Himmel getötet. Der Zweig in Barbara's Zelle trieb an ihrem Todestag Blüten.
Ich sage ja Märtyrergeschichten sind äußerst grausam und vermitteln somit auch eine grausame Botschaft. Frei nach dem Motto, ohne Leid kein Preis.
Wir schauen heute achtsam und mit wunderschönen Ritualen und Bräuchen auf den Mut und die Intuition der heiligen Barbara.
Bist Du dabei?
| Das 4. Türchen ist hier im obersten Allgäu ein sehr traditionsreicher Tag und er ist ganz der heiligen Barbara gewidmet. Ihre Geschichte birgt viel, ganz vieles in sich. Ich möchte heute mit Euch auf den wesentlichen Anteil darin schauen. Auf dieses bedingungslose Einstehen für das was mir im Leben wichtig ist. Und bedingungslos heißt in diesem Fall, bis in den Tod hinein. Das ist ein unfassbarer Schritt für uns und man ist geneigt sich zu fragen, hätte sie nicht still und heimlich für sich glauben können und dafür weiterleben? Jetzt ist dies wirklich der "worst case" den uns Barbara's Geschichte aufzeigt, aber ich möchte diese Geschichte heute zum Anlass nehmen um unsere eigenen Überzeugungen zu hinterfragen. Stehen wir für das ein, was uns wichtig ist? Wieviel Widerstand hält unser Lebensmodell aus? Verraten wir uns an manchen Stellen selbst weil wir uns mit unserer Meinung im Abseits fühlen? Dazu gilt es sich erst einmal das anzuschauen und bewusst zu machen was wir als Überzeugung wahrnehmen und als die Dinge, die uns im Leben wirklich wichtig sind. Und da gelangen wir schnell zu unserem ureigenen Wertesystem, an dieser Stelle kann es richtig spannend werden. Welche Werte (Überzeugungen) haben wir von anderen (Familie, Kirche, Obrigkeit, Arbeitsplatz, Freunden,...) übernommen ohne sie je zu hinterfragen? Was brennt uns auf den Nägeln und wofür brenne ich WIRKLICH? Was ist mein Anliegen für diese Welt und an diese Welt? Vertraue ich meiner Intuition, was diese Werte betrifft? Und wie, wo, wann setze ich mich für das, was mir wichtig ist ein? Allein mit diesen Fragen könnten wir eine ganze Adventszeit füllen. Aber das was aus diesem Barbara Tag für uns herausfällt ist ein "TRAU DICH". Wähle heute ein Anliegen aus und spüre dem in Dir nach. Wo gibt es dazu noch Unsicherheiten? Was passiert bei Gegenwind von Außen? Wo kannst Du diesem Anteil noch mehr Boden geben? Setze Dich ein für Dich und Dein Anliegen. Nicht radikal, nicht bis in den Tod, aber bestimmt. Im Vertrauen in Dich selbst. Wenn Du beispielsweise das Anliegen hast von Deinen Mitmenschen nicht mehr respektlos behandelt zu werden, dann mache das heute (wenn sich die Gelegenheit bietet) klar. Frage nach warum Dir der Kollege immer einen blöden Spruch reindrückt und kläre ihn auf dass Dich das bedrückt oder sogar schmerzt. Mach Dich innerlich groß, spüre den Boden auf dem Du fest stehst und teile ihm mit, dass Du künftig von einem anderen Umgangston ausgehst. Komme nicht als Bittsteller oder als gebücktes Opfer, sondern komme mit der heiligen Barbara als Begleitung für Dein Anliegen. Fang mit einer Sache an und nimm wahr wie es sich anfühlt wahrhaftig für Dich selbst einzustehen. Für mich ist dies der Herzensaspekt aus Barbara's Geschichte:"Trau Dich, Trau Dir". Und dann gibt es natürlich noch schöne Bräuche an diesem Tag. Der bekannteste ist es wohl sich heute draußen einen Zweig von einem Baum (Obstbaum, Flieder, Forsythie, oder ähnliches, wichtig es sollte die Fähigkeit besitzen zu erblühen) zu brechen - wichtig nicht schneiden sondern abbrechen- und diesen in der Stube ins Wasser zu stellen. Achte darauf dass der Zweig in den Tagen bis zum heiligen Abend immer frisches Wasser hat, und pssst diese Zweigen lieben einen Hauch Traubenzucker im Wasser. Dann sollte der Zweig bis Heilgabend erblühen, was als ein fruchtbares Zeichen für das kommende Jahr in jeder Hinsicht gewertet wird. Früher wurden von heiratswilligen Damen auch mehrere Zweige in eine Vase gestellt und mit Namenszettel der potentiellen Heiratskandidaten versehen. Der Zweig der als erster erblühte präsentierte den künftigen Bräutigam. Bei uns treiben heute ab Einbruch der Dunkelheit auch die Klausenbärbel ihr Unwesen. Unverheiratete junge Frauen ziehen sich alte Röcke oder Dirndl an, verstecken ihr Gesicht hinter einer Maske aus aus Moos und Flechten mit hexenhaften Zügen. Sie hängen sich kleine Glocken um und tragen eine Reisigrute. So ziehen sie durch die Dörfer, von Haus zu Haus und vertreiben in Barbara's Namen ("Bärbele") lautstark die Unsitte aus dem Dorf. Der Barbara Tag ist auch einer der "Lostage" im Advent, dh er ist bestens geeignet für diverse Orakel. Wenn Du also Orakelkarten hast, ziehe heute eine und lege sie zur Seite. Ihr können an weiteren Lostagen noch andere Karten folgen, die das Kommende Jahr in Aussicht stellen. Früher gab es an diesem Tag auch oft das traditionelle "Pantoffelwerfen". Dabei wurde ein Pantoffel über die Sculter geworfen und dort wo seine Fußspitze hinzeigte, aus dieser Richtung war der Bräutigam zu erwarten. Es ist wohl der dunklen Jahreszeit geschuldet -und den nicht vorhandenen medialen Geräte der früheren Zeit- dass es hier so viele Liebesorakel gibt :-) Und dann möchte ich natürlich noch allen Barbara's heute zum Namenstag gratulieren. Vielleicht kennt auch ihr eine Barbara. Verbinden wir uns heute mit dem Mut und dem Herzenswissen dieser Frau und erinnern uns dass es diese auch in uns gibt. Eure Gloria |






