Naturhof Stillachtal

G wie Geduld, G wie GRRRRMMMPFFFF

Die Übung in Geduld bewahrt uns vor dem Verlust unserer Gelassenheit. Dadurch haben wir die Möglichkeit unser Urteilsvermögen zu trainieren, selbst in sehr schwierigen Situationen. Es gibt uns inneren Raum. Und durch diesen Raum gewinnen wir ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung, welche uns erlaubt auf Situationen in angemessener Weise reagieren zu können. Mitfühlend, anstatt durch unsere Wut und Verärgerung getrieben.

Dalai Lama

Ihr Lieben da draußen!

das Zitat des Dalai Lama finde ich aktuell sehr passend. Ob ER wohl auch am Fuße des Himalaja sitzt und ungeduldig mit den "Hufen" scharrt, bis die Welt sich endlich wieder ordnungsgemäß weiterdreht? So, wie es mir und vermutlich einigen meiner Mitmenschen da draußen im Moment ergeht.

Wieder sind wir in Gastgewerbe und Vermietungsbetrieben, damit konfrontiert, dass sich alles noch deutlich weiter nach hinten verschiebt und wieder stehen wir diesen Entschlüssen und behördlichen Verordnungen nahezu ohnmächtig gegenüber. Leises und lauteres Murren macht sich breit in den Reihen und insgesamt ist mein Gefühl heute, die Leute möchten nicht mehr stillhalten. Autos mit auswärtigen Kennzeichen mehren sich wieder, die Radfahrer werden nicht nur einzeln gesichtet, sondern gehäuft und in unserem mail Account trudeln wieder Anfragen ein. Und gleichzeitig werden wir weiter angehalten uns stark zurück zu nehmen. Dem leisten auch die allermeisten von uns Folge, denn wer von uns möchte die Verantwortung tragen für eine zweite Welle, auf der der Virus fröhlich durch unser aller Leben, reiten kann? Niemand möchte das Gefühl haben weitere Opfer mitverschuldet zu haben. Auch ich nicht! 

Und gleichzeitig gibt es auch einen rebellischen Teil in mir, der sich an jeder Studie und an jedem Experten festkrallt, der mitteilt "Alles halb so schlimm!". Alles halb so schlimm heißt aber gegebenenfalls auch, mindestens so schlimm wie in Norditalien oder Spanien *schluck*. An dieser Stelle versuche ich den Rebell in mir zu besänftigen, weise auf die vergangenen Wochen hin, die doch so produktiv waren in all der Zurückgezogenheit. Und all das Gute und Wunderbare, ja Einzigartige, das diese Zeit hervorgebracht hat. Und der Rebell zieht schmollend von dannen und murmelt noch was von "wirtschaftlicher Katastrophe und Selbstbestimmung". Ich lasse ihn ziehen....

Spannend ist es schon was für Herzen in meiner Brust kämpfen und diskutieren, und klassisch ist auch das die Ungeduld immer wieder überschwappt. Und immer noch, oder gerade an solchen Tagen, wenn neue Beschlüsse kund getan werden, erhebt sich über all diese Umstände und auftauchenden Ängste das ehrliche Vertrauen. Ein Vertrauen, darin, dass alles so seinen Sinn hat, was nicht heißt, nicht auch so manches zu hinterfragen. Das Vertrauen darin, dass wir gestärkt aus diesem schier endlos langen Momentum hervorgehen werden. Das Vertrauen, dass so manche Gewohnheit und so manches Urteil auf der Strecke bleibt, aber nicht das was wir erschaffen haben.

Gestern habe ich mit einem Stammgast telefoniert, und als sie mich fragte, wie es mir/uns geht, habe ich gesagt "Es geht uns gut...". Woraufhin sie zu mir sagte:"Da machen Sie sich doch selbst was vor..." Und ich spürte sofort, dieser Satz hat einen Nerv in mir getroffen und bedarf meiner Aufmerksamkeit. Also, mal ehrlich, mache ich mir etwas vor??? Versuche ich künstlich gute Laune und Positivität zu erzeugen um mich selbst -und andere- ins Boot zu holen? Ist das eine unbewusste Taktik, um nicht mit der Angst fortgeschwemmt zu werden? Ist es nicht "normaler" zu jammern und zu klagen über das was gerade ist? All das habe ich mich ganz ehrlich gefragt und die Antwort nach all dem lautet immer noch:"Es geht mir gut..." 

Im hier und jetzt geht es mir gut, so wie den meisten ganz objektiv betrachtet auch. Wir haben zu essen, ein Dach über dem Kopf, sauberere Luft denn je zum Atmen, wir und unsere Liebsten sind gesund, wir haben die herrliche Natur um uns zur Verfügung und wir haben Zeit! Zeit für uns selbst und Zeit für die anderen. Die Angst, die um sich greift ist wieder einmal die Angst und das Drama um ein "was wäre wenn" Szenario. Was passiert, wenn wir bis August nicht öffnen können? Dann behaupte ich mal, haben wir immer noch alle oben genannten Dinge zur Verfügung. Wir haben sehr wahrscheinlich andere Zahlen auf unserem Kontoauszug stehen und wir haben die Möglichkeit dann zu entscheiden, wie wir mit dem umgehen oder weiter verfahren. Warum sind wir solche Meister darin uns in Panik und zig negative Gefühlswelten zu stürzen, wegen ungelegter Eier? 

Was hilft mir die Sorge über einen Tag XY in der Zukunft, wenn ich stattdessen am heute vorbei laufe und übersehe, was in diesem Heute für Geschenke liegen? Was nützt es mir andere anzuklagen oder Politiker und Verantwortliche zu verurteilen? Wird dadurch meine Situation besser? Nein! Weil es nicht der Verantwortung des Politikers obliegt, ob es uns gut oder schlecht geht, sondern ausschließlich uns selbst. Nochmal die Frage an uns selbst, was kann ich gerade beeinflussen? Die Beschlüsse, die bereits gefasst sind? Nein! Ich habe nur Einfluß auf mich selbst, auf mein Handeln und Denken und auf meine Art dem was schon so ist, wie es ist zu begegnen. Dadurch verlieren wir natürlich den Anteil die Schuld an einen Buhmann jeglicher Art weiter zu geben, aber wir gewinnen unsere eigene Verantwortlichkeit für alles was uns im Leben begegnet wieder! Das ist die gute, wie die schlechte Nachricht. Die aktuelle Situation liegt in meiner Hand und die Situation liegt in Deiner Hand. 

Die Situation an sich können wir nicht beeinflussen oder verändern, auch das Virus bleibt unberührt davon wenn wir es beschuldigen oder anbrüllen. Haben wir also den Mut uns unserer eigenen Verantwortlichkeit zu stellen gerade jetzt? Was tue ich, um hier und jetzt Verantwortung zu übernehmen? habe ich mich gefragt? Und für mich persönlich ist die Antwort, ich zeichne verantwortlich für diesen Betrieb, für den Naturhof. Hier liegt meine persönliche Aufgabe und die gestaltet sich gerade eben ein wenig anders wie sonst, was nichts ist als eine Herausforderung an unsere Kreativität. Ich kann jetzt also heute auf Herrn Söder schimpfen oder ich kann mich meiner Aufgabe widmen, in dem ich zB gemeinsam mit meinen Männern unseren Garten gestalte oder wieder einige wundervolle mails beantworte, die einfach die Frage "Wie geht es Euch? Wir denken an Euch!" zum Inhalt haben. Und so ist Herr Söder heute seiner Verantwortung nach gekommen und ich meiner, und wir beide und auch Du da draußen, haben es so gut gemacht wie wir konnten. Nehmen wir doch die Urteile über alles was sein sollte heraus und betrachten wir mal ganz ernsthaft das was ist.

Und jetzt nochmal, was war/ist so schlecht an diesem Tag heute? Was hast Du verloren? Wofür hast Du Dich eingesetzt? Der Dalai Lama schließt so schön damit! Lassen wir doch mal unser Mitgefühl nach vorne treten, anstatt die Wut und die Verärgerung... was passiert dann? Geht die Welt unter, wenn wir aufhören zu verurteilen? Oder wird sie weicher? Mit-Gefühl ist ein wunderbares Heilmittel, auch für meine Ungeduld, habe ich fest gestellt. Ich fühle das was darin steckt in dieser Ungeduld, ua der Drang unbedingt etwas zu tun, anstatt so manches einfach nur geschehen lassen. Denn wir gerade etwas lernen oder erfahren, dann das, dass unsere vermeintliche Kontrolle, die wir so schön aufgebaut haben, nichts ist, als ein Irrglaube. Wir haben keine Kontrolle, das hat uns ein kleines unsichtbares Etwas doch eindrucksvoll bewiesen.

Und was versuchen wir an dieser Stelle? Wir versuchen all unsere vertrauten Muster und Re-Aktionen anzuwenden, mit geringem bis gar keinem Erfolg! Warum probieren wir für unbekannte Situationen nicht neue Maßnahmen aus? Wie zB mal einen Tag einfach in Freude zu verbringen, anstatt in Sorge und Frust. Das einzige das uns daran hindert ist unser Kopf und das große Dramakino, das er gerade auffährt. Und das kann er unwahrscheinlich gut! Habe ich heute noch irgendwo gelesen, einen Bericht von Ende März, in dem stand, dass die Welt bis Ende April mit Millionen Corona Toten rechnen muss. Das ist Gott sei Dank nicht eingetreten, aber zahlreiche Menschen haben sicher täglich mit Angst und Grauen an diese Nachricht gedacht. Und so geht es uns hunderte Male am Tag. Wenn Du die Muße hast führe mal eine Strichliste über all die Waswärewenn und waswirdsein Gedanken an einem Tag, die Du bewusst wahrnimmst in Dir. Und dann stelle Dir mal vor was Du mit der Energie, die in der Wut und den Ärger über die Situation und die Verurteilung der Verantwortlichen liegt, alles wunderbares bewirken könntest! Für Dich, für deine Familie, für deinen Betrieb, für die Zeit danach... von der wir keine Ahnung haben wann sie beginnen mag.

Eine schöne Übung ist auch folgende:

 Stecke Dir zu Tagesbeginn ca. 15 Nüsse oder Gummibärchen oder Rosinen in Deine linke Jacken- oder Hosentasche. Und wenn Du tagsüber einen schönen, einen berührenden Moment erlebst, vielleicht wenn Du Dein Kind beobachtest oder einen Sonnenstrahle erwischt oder eine Nachricht erhältst oder das Mittagessen besonders gut gelingt, DANN wandert ein Gummibärchen von der linken Tasche in die rechte.

Abends kannst Du dann mal schauen wie gut gefüllt Deine Rechte Tasche ist und Du kannst Dir genussvoll all die schönen Momente einverleiben und in diesem Moment die Dankbarkeit da sein lassen.

 

Seid gut behütet, bis wir uns wiedersehen oder kennenlernen!

Herzlichst 

Gloria Thaumiller

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