Naturhof Stillachtal

Der 26. Dezember -2. Tag der Rauhnächte

"Die Stille stellt keine Fragen.

Aber sie kann uns auf alles eine Antwort geben." -

Ernst Ferstl

Ihr Lieben,

die zweite Rauhnacht liegt hinter uns und zumindest hier im Stillachtal hat sie ein ganz besonderes Licht in den nächtlichen Schnee gezaubert. Wenn ich es beschreiben müsste, würde ich sagen es war eine silberne Nacht dort draußen und man hatte das Gefühl jemand hat ein Licht entzündet. Natürlich kann man es hier im Tal auch nochmal verstärkt wahrnehmen, da es keinerlei künstliche Lichtquellen gibt in der Nacht. Wenn unsere weit entfernten Nachbarn die Lichter in den Häusern zur Nacht löschen, nimmt die Dunkelheit das Tal in Besitz. Die Dunkelheit ist ja ohnehin ein zentrales Thema im Monat Dezember. In den Rauhnächten spricht man von der Gleichberechtigung zwischen der Dunkelheit und dem Licht, und davon, dass das eine, das andere bedingt, im wörtlichen, wie im übertragenen Sinne. Kennst Du das auch, die dunklen Zeiten im Leben? Wenn sich Menschen oder Situationen aus unserem Leben verabschieden, wenn sich Umstände verändern oder unsere eigene Einstellung und Persönlichkeit sich wandelt? Dieser Ablöseprozess und Verwandlungsprozess erscheint uns oft dunkel, mühsam und vielleicht sogar schmerzvoll. Etwas in uns zweifelt in diesen Momenten daran, dass wir wieder in das Licht des Lebens gelangen, so wie die Raupe, die in ihrem dunkelsten Moment, dann wenn sie glaubt ihre Welt geht unter, zum Schmetterling verpuppt. Diese dunklen Momente sind ein teil unseres Weges, unserer Ent- Wicklung und die Rauhnächte erinnern uns noch einmal ganz bewusst daran, auch diese dunklen Momente zu ehren. Sie nicht aus unserem Leben zu wünschen oder damit zu hadern, sondern uns selbst auch heute in Dankbarkeit begegnen, dafür, dass wir unseren Weg so einzigartig gegangen sind bis hierher. Auch in dem Wissen, das Licht ist immer da, hinter jeden dunklen Wolke und hinter jeden dunklen Nacht.

Die Nacht ist auch angefüllt mit Träumen. Erinnerst Du Dich noch an den Traum der vergangenen Nacht? Durch die offenen Tore dieser magischen Zeit, werden Träume oft als Visionen und als Wegweiser gedeutet. Daher ist es wundervoll, so etwas wie ein Traumtagebuch zu führen, oder generell ein Rauhnacht Tagebuch, in dem wir all das aufschreiben oder zeichnen, was wir wahrnehmen in diesen tagen und Nächten, all das was uns symbolträchtig und wertvoll erscheint. Es ist mitunter DEINE Vision vom neuen Jahr und deine persönliche Botschaft, die darin enthalten ist. Notiere darin nicht nur Fakten und Begebenheiten oder das aktuelle Wetter, sondern auch Deine Gefühle und Gedanken.

 Für die zweite Rauhnacht und den heutigen Tag rückt das Thema "STILLE" in den Vordergrund. Wie schon erwähnt war der Rückzug und das leise werden, ein wichtiger Anteil der Rauhnächte in alten Zeiten. Heute ist es schier unmöglich uns der Dauerbeschallung zu entziehen. Wo wir gehen und stehen begleiten uns künstliche Geräuschquellen und mitunter kommt es uns schon komisch vor, wenn tatsächlich einmal Stille herrscht. Ganz automatisch schalten wir Radio oder TV ein, weil uns das das Gefühl gibt nicht allein zu sein. Vielleicht auch, weil dann die inneren Stimmen nicht mehr hörbar sind, dank der Geräuschkulisse im Außen. Stille empfinden wir heute also nicht mehr unbedingt als Geschenk, sondern manchmal fast schon als eine Art Bedrohung. Auch in Gesellschaft zu schweigen löst meistens unangenehme Gefühle in uns aus, und so ziehen wir lieber allerlei Belangloses heran, anstatt gemeinsam in die Tiefe der Stille abzutauchen.

Die Stille gibt unserem Inneren und unserem Innersten eine Bühne, und auf dieser Bühne treten dann oft all die Anteile auf, die wir im lauten Treiben des Alltags, sonst so gut unter Verschluss halten. Warum halten wir sie unter Verschluss? Weil sie uns mit unangenehmen Dingen oder Erinnerungen konfrontieren. Weil sie uns anmahnen etwas zu ändern oder uns zu bewegen. Weil sie uns aufmerksam machen auf unsere Unehrlichkeit und auf unsere Untreue uns selbst gegenüber. Spüre einen Moment in Dich hinein... Wie geht es Dir in der absoluten Stille? Fühlst Du Dich da wohl?

 Lasst uns heute eine stille Zeit in diesem Tag zelebrieren. Heute, da wir nicht einmal, die Ausrede haben, dass ja noch die vielen verwandten auf uns warten :-) Wenn Du die Möglichkeit hast Dich an einen stillen Ort in der Natur (mit Ausnahme der Naturgeräusche) zu begeben, dann finde einen Platz an dem Du ganz für Dich sein kannst. Wenn dies nicht möglich ist, setze Dich zu Hause in einen Raum, in dem Du alle Geräuschquellen abstellen kannst. Wenn es für Dich stimmt, darf es gerne auch schon beginnen zu dämmern. Aber es soll die Erfahrung mit der Stille im Vordergrund stehen, nicht die Konfrontation mit der Dunkelheit! Gönne Dir die Stille, wenn möglich 30 Minuten lang.Lasse alles kommen, was sich zeigen mag in dieser Stille. all das was sich unwohl fühlt ebenso, wie all das was aufatmen mag in der Stille. Alle Gedanken und Gefühle sind willkommen. Versuche auch nicht durch den Raum zu gehen, sondern reduziere alles im Außen um Deinem inneren die gebührende Bühne zu gewähren. Dein innerstes Selbst, möchte immer nur das Beste für Dich, das mache Dir bewusst. KEIN Impuls, der aus Dir kommt ist dazu gedacht Dich zu bestrafen oder zu ärgern, sondern immer nur um Dich im besten Sinne weiter zu bringen. Sei offen für die Impulse, die aus der Stille heraus entstehen, auch wenn sie Dich im ersten Moment unangenehm berühren. Lass es zu und lass es wirken.

Ihr könnt auch in Gemeinschaft mit einem oder mehreren vertrauten Menschen in eine Schweigezeit gehen. Setzt Euch zusammen ohne Beschallung von außen und geht in eine gemeinsame Zeit der Stille. Jeder für sich nimmt wahr, was das mit ihm macht. Ist da ein großer Drang etwas zu sagen um das Feld des Schweigens zu durchbrechen? Oder ist es sogar eine Art Entlastung nicht sprechen zu müssen.? Ihr könnt Euch dann gerne darüber austauschen was Euch dabei alles begegnet ist und wie es Euch jetzt geht. Vielleicht setzt ihr das auch fort, zB für eine gemeinsame Mahlzeit am Tag, die ihr in Stille begeht.

Wie immer ist es auch heute unterstützend zu räuchern. gerne wieder Weihrauch, und wenn ihr habt Sandelholz oder Zedernholz oder Palo Santo. Diese weichen Hölzer geben der Stille eine Weichheit.

Zu guter letzt noch eine Bauernregel für heute: 

Scheint am Stephanstag die Sonne, so gerät der Flachs zur Wonne!

Pssssttttt!

Eure Gloria

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