Naturhof Stillachtal

Der 11. Dezember - Wir verneigen uns vor den Bergen

Die Gebirge sind stumme Meister und machen schweigsame Schüler.

Johann Wolfgang von Goethe

Ihr Lieben,

das elfte Türchen widmen wir unseren geliebten Bergen. Seit 2003 ist der 11. Dezember der Welttag der Berge, und wenn man bedenkt, dass es zB auch den Welttag der Jogginghose oder des Butterbrotes gibt, dann ist es nur fair heute die Berge einmal entsprechend zu würdigen.

Oft werden wir gefragt ob wir, die wir so nah an den Bergen leben, die Schönheit überhaupt noch wahrnehmen. Und mit gutem Gewissen kann ich sagen, JA, das nehmen wir sehr wohl wahr, denn unsere Lage ist nicht nur ein immenses Potenzial, sondern auch unsere Energiequelle. In den letzten Jahren haben wir erlebt, dass es immer mehr Menschen in die Berge zieht und oft frage ich mich, was die Menschen dorthin zieht, was sie sich ersehnen, an diesen rauen und manchmal auch kargen Orten. Das was ich auch von unseren Gästen immer erfahre ist, dass die Berge uns die Hoffnung auf Ruhe schenken und dass sie mit Ihrer Stabilität einen Anker werfen in unser stressiges und von Hektik geprägtes Leben.Ein Grund, den ich persönlich bestens nachempfinden kann. Wenn es mir zuviel wird, oder wenn es Probleme zu lösen gilt, Entscheidungen zu treffen, Ärger abzubauen, etwas zu feiern, immer ist ein Berg da, der mich darin unterstützt.

Jetzt lebe ich schon mein Laben lang in den Bergen, in Bergtälern, und die Faszination verblasst nie. Wenn ich mich unsicher fühle, oder mir der Boden unter den Füßen fehlt, stelle ich mich hin, betrachte das Bergmassiv und lasse diese heroische Unverrückbarkeit auf mich wirken. Dann kann ich fast fühlen, wie tief verbunden mit der Erde so ein Berg ist, und dass er vielleicht manchmal ein paar Steine oder Felsbrocken verliert, dass ihm aber ansonsten nichts etwas anhaben kann. Probiert es ruhig einmal aus: Stell Dich mit beiden Füßen fest auf den Boden und komme in den Stand wie ein Berg. Wenn Du gerade keinen vor der Haustüre hast, der Dich inspirieren kann, stell Dir einen Berg vor und lasse dieseKraft und diese tiefe des Berges in Deinen Stand fließen. Richte Dich auf, festige Dich von innen heraus, werde zum unverrückbaren Berg und nimm in diesen Stand hinein einige tiefe Atemzüge und mit jedem Atemzug spürst Du die stille Kraft des Berges noch tiefer in Dir.

Ein weiteres Geschenk, das die Berge uns offerieren ist, dass sie uns die Möglichkeit bieten, die Perspektive zu verändern. Es gibt ja so Tage, oder manchmal auch Phasen, da fühlt sich unser persönliches Drama weltbeherrschend an. Alles dreht sich darum und unsere Welt reduziert sich ganz darauf. Wenn Du an so einem Tag die Möglichkeit hast begib Dich auf einen Berg. Du kannst Dir noch mehr Gutes tun, in dem Du den Berg auf Deinen eigenen Füßen besteigst oder Du benützt zB eine Seilbahn. Der Berg kann auch ein Hügel oder eine Erhebung in Deiner Nähe sein. Wichtig ist dass Du einige Höhenmeter zwischen Dich und Dein Jammertal bringst (manchmal reicht es schon auf einen Stuhl zu steigen :-) ) und Dir all das einmal von einer höheren Warte aus betrachtest. Dass Du wahrnimmst, wie nichtig manche Dinge werden auf dem Gipfel eines Berges. Du nimmst wieder wahr wie viel Weite da ist, auch wenn wir diese im Tal unten nicht immer sehen. Du spürst wie sich auch Deine Inneres weitet und über den Gipfel hinaus wächst und sich so manches relativiert. Und wir erkennen auf dem Berg oft auch besser, dass wir Teil dieses ganzen Gefüges sind, dass wir nicht allein, sondern all-eins sind. Also gönne Dir hin und wieder einen Perspektivenwechsel.

Nicht zuletzt sind die Berge auch die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Auf der einen Seite tief verwurzelt und eingegraben in der Erde, auf der anderen Seite, hat man an klaren tagen, das Gefühl, die Berge berühren den Himmel. Auch das ist wohl der Antrieb vieler Bergsteiger dem Himmel ein Stückchen näher zu kommen, Grenzen zu überwinden, nicht zuletzt die eigenen. Und trotz aller Herrlichkeit dürfen wir uns auch immer daran erinnern, dass der Berg die regeln macht und dass diese an einigen Punkten nicht verhandelbar sind. Dass es an uns ist, den Berg zu achten und ihn nicht zu missbrauchen. In früheren Zeiten galten die Bergmassive, als die Sitze der Götter und auch dieser alte Zauber wohnt ihnen noch inne. 

Wir verneigen uns vor den Bergen in Dankbarkeit für ihr sein und unsere Dankbarkeit erneuert sich täglich für unseren Platz inmitten der Berge. Manchmal ist es Menschen hier bei uns im Tal auch zu eng oder die Berge lösen sogar Beklemmungen in manchem aus. Für uns sind sie ein Symbol der Geborgenheit und das Wahrzeichen unserer Heimat.

Spüre Du für Dich an diesem 11. Dezember einmal nach, was Dich mit den Bergen verbindet. Wo bist Du unverrückbar wie ein Berg? Und ist das gut oder ein Zeichen mangelnder Flexibilität? Wo befindest Du Dich zwischen Himmel und Erde? Vor welchem gedanklichen oder emotionalen Berg stehst DU gerade? Wo wäre ein Perspektivenwechsel heilsam?

Ich hoffe wir sehen uns bald wieder mit Blick auf die Allgäuer Alpen

Eure Gloria

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