Naturhof Stillachtal

Der 1. Dezember und die Kraft der Dunkelheit

Wer im Dunkeln sitzt, zündet sich einen Traum an.

Nelly Sachs

Ihr Lieben,

ich wünsche Euch heute einen wundervollen ersten Dezember und ein gutes Ankommen in diesem letzten Monat des Jahres 2020. Laut unseres ganz besonderen und alt verwurzelten Adventskalender, offenbart uns dieses erste Türchen heute das Thema "Dunkelheit". Oh, das ist aber ein schwerer Start, war mein erster innerer Ausruf heute dazu und als uns dann heute Nachmittag noch stundenweise der Strom abgestellt wurde (wegen elektrischer Neuverteilung im Hotel) durfte ich meinen Widerstand gleich einmal live auf die Probe stellen.

Warum fürchten wir die Dunkelheit oder haben zumindest einen angemessenen Respekt vor ihr? Weil die Dunkelheit so manches verborgen hält? Oder weil sie im Gegenzug all das anlockt, was sich bei Tageslicht nicht zeigt? Wie ist Deine Einstellung zur Dunkelheit? Wie geht es Dir, wenn Du im Dunkeln allein draußen unterwegs bist? Ich erinnere mich, dass ich als Kind die Dunkelheit fürchtete, auch weil dann gefühlt die eigenen Ängste gewachsen sind. Der kleine Spielzeughund, der immer in der Ecke saß, konnte sich im Dunkeln durchaus zum großen Monster mit riesigen Zähnen auswachsen, das es nur darauf abgesehen hat mich zu verschlingen.

Und auch heute noch empfinden wir die Nacht oft als die Zeit, in der sich die "Dämonen" zeigen. Die Dämonen, in Form von Gedanken, Sorgen, Ängsten, die sich im hektischen Alltag einigermaßen unter Kontrolle halten lassen. Aber im Dunkeln, wenn Ablenkung und Weglaufen keine Option für uns sind, treten Sie an unser Bett heran und ziehen uns in ihren Bann. Und warum haben wir dem oft so wenig entgegen zu setzen? Welche Kraft steckt in dieser Dunkelheit? Welche Klarheit zeigt uns das tiefe, undurchdringbare Schwarz? Welche Chance einmal ganz mit uns selbst in Kontakt zu kommen, versteckt sich hinter den aufgeblasenen Monstern, die das erste Tageslicht niederstreckt?

Hast Du den Mut der Dunkelheit einmal ganz bewusst zu begegnen? Nicht ausgeliefert und im Fluchtmodus, sondern in der Entscheidung (DEINER! Entscheidung), Dich in die Kraft der Dunkelheit zu begeben und die Schätze zu bergen, die darin liegen. Suche Dir in den nächsten Tagen ganz bewusst einen Tag aus, an dem Du Dich allein in ein dunkles Zimmer setzt ( da hat man als Sicherheit noch die Option Lichtschalter) oder ob Du Dich nach draußen in die Dunkelheit wagst. Bereite Dir für diese Zeit einige Fragen vor, die Du Dir selbst ehrlich in der Dunkelheit beantworten möchtest. Vielleicht steht eine Entscheidung an, oder Du haderst mit der aktuellen Situation und suchst noch nach einer Lösung für Dich. Möglicherweise möchtest Du auch jemandem zum Jahresende noch etwas mitteilen, dann lass Dich dafür inspirieren. Wenn Du keine offenen Fragen aktuell hast, musst Du auch keine konstruieren, sondern lässt Dich einfach so auf das Experiment mit der Dunkelheit ein.

Wenn Du Dich für einen Platz in der Dunkelheit entschieden hast, nimm diesen ganz bewusst ein und begrüße mit Deinen eigenen Worte die Dunkelheit. Versuche sie erst einmal mit Deinen Sinnen zu erfassen, gewöhne Deine Augen daran und gib ihnen die Möglichkeit durch die Dunkelheit hindurch zu sehen. Nimm dann Dein Inneres wahr. Was taucht auf in Dir, da allein im Dunkeln? Wie reagierst Du darauf? Welche Gedanken tauchen auf? Wenn ein Fluchtimpuls kommt, versuche da zu bleiben und zu beobachten, was in Dir jetzt gerade abläuft. Nimm Deinen Atem mit, in dem Du ganz bewusst in die Dunkelheit hinein ausatmest, die Dunkelheit teilst mit der Wärme Deines Atems. Und wenn es stimmt lass Dich umarmen von der Dunkelheit und spüre die Kraft, die in dieser Stille steckt, die Kraft, die Dir allein in diesem Moment zur Verfügung steht.

Tauche ein in diese kraftvolle Seite der Dunkelheit und lass Dich überraschen welche Kräfte sich in Dir melden. Lass Dich einfach überraschen, wohin die Dunkelheit Dich führt, was sie DIR zeigt und was sie Dir mitgibt. Gib ihr die Chance, Dich von ihr hinter all die Vorurteile mit denen wir ihr begegnen, zu führen. Öffne Dich für die Möglichkeiten dieses Moments! Wir alle stehen an einem Punkt in unserem Leben, und jede(r) wird das erfahren, was für ihn wichtig ist, setz Dir also keine Ziele. Vielleicht kommst Du mit einer Vision aus dieser Erfahrung, vielleicht mit der Erkenntnis, Dunkelheit macht mir einfach Angst. Beides ist gut und wertvoll.

Zum Abschluss zünde Dir eine Kerze oder ein Teelicht an und bedanke Dich bei der Dunkelheit für dieses Experiment und für ihr Dasein. Denn stellt Euch vor, es wäre nie dunkel, immer taghell, sie würde uns fehlen!

Ich bin gespannt wie es Euch geht, was ihr erfahrt und was morgen hinter dem zweiten Türchen steckt.

Habt einen schönen Abend

Eure Gloria

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