„Wandern ist eine Tätigkeit der Beine – und ein Zustand der Seele.“ (Josef Hofmiller)

Und die Wandersaison hat ja inzwischen längst begonnen. Wandern ist inzwischen wohl das was man eine Trendsportart nennt. Es ist wieder „IN“ in der Natur unterwegs zu sein, sich anzustrengen und sich mit der Einfachheit zu befassen. Menschen wie Hape Kerkeling und seinem „Ich bin dann mal weg“ haben ihr Übriges dazu getan um gerade auch junge Menschen wieder an die Freuden der Wanderschaft zu erinnern. Ich persönlich erinnere mich dass ich es als Kind oder Jugendliche immer eher langweilig bis peinlich fand mit meinem Lieblingsonkel wandern zu gehen und dabei am Besten noch „Das Wandern ist des Müllers Lust“ zu trällern und wilde Himbeeren am Wegesrand zu sammeln.

Und schmunzelnd erkenne ich wie sich meine eigene Einstellung zum Thema Wandern geändert hat. Heute ist es für mich meine Kraftquelle draußen unterwegs zu sein ( ist es irgendwo definiert wo ein Spaziergang in das Wandern über geht ?) , den festen Boden unter den Füßen zu spüren, die klare Luft zu atmen und mich von den Farben zu jeder Jahreszeit fluten zu lassen. Und ich frage mich ob es unsere schnelllebige und schnell abgelebte Zeit ist, die wieder die Sehnsucht in uns weckt sich dem Erdelement hinzugeben. Wir leben ja hier im Stillachtal in einer klassischen touristischen Wanderregion und oftmals herrscht da auch das Gefühl von überlaufenen Wegen und Gipfeln. Aber seit ich mich intensiver mit diesem Thema beschäftige, ist mir bewusst geworden dass das Wandern für jeden eine ganz eigene Definition hat und keine ist wertvoller als die andere. Es gibt die Menschen, die auf der Wanderung die Herausforderung suchen und immer wieder auch Grenzerfahrungen. Sich einmal wieder mit allen Sinnen begegnen, den Körper voll und ganz zu spüren in Konzentration und in Aktion und das Gefühl, es geschafft zu haben. Und es gibt die Menschen, die so weit wie möglich Hilfsmittel benutzen um auf den Berg zu gelangen und dann nur wenige Meter wandern. Aber sie gehen denselben Weg wie der Alpinist und oft ist das Gefühl von „GESCHAFFT“ nicht minder groß.


Es gibt die, die wandern um vor etwas weg zu laufen und es gibt die, die unterwegs sind, um sich einem Thema bewusst zu widmen. Manche laufen um sich etwas zu beweisen oder auch anderen und wieder andere wandern lange Strecken um sich selbst zu begegnen. Und überall zwischen und neben diesen Beispielen gibt es unzählige Motivationen um sich die Wanderstiefel anzuziehen und los zu gehen. Schritt für Schritt, manchmal in Begleitung des inneren Schweinehundes und manchmal in der Euphorie des ureigenen Rhythmus.


Sich auf Wanderschaft zu begeben hat eine uralte Tradition und über Jahrtausende hinweg haben Menschen sich ihre Wege gewählt um an ihr Ziel zu kommen. Die Pilgerwege um sich zu läutern oder auch Zwiesprache mit Gott zu halten ist eine Möglichkeit. Die Schmugglerpfade der früheren Zeit waren dahingegen eher eine notwendige Wanderung um sich und die seinen zu versorgen. Und noch heute sehen wir Völkerwanderungen die Notsituationen mit sich bringen. Letztlich ist das ganze Leben eine Wanderschaft, die wir durch Höhen und Tiefen, mit mehr oder weniger guter Ausrüstung, alleine oder in Gesellschaft antreten. Wie schön dass wir auch hier immer wieder unsere Herbergen finden, die uns aufnehmen und versorgen und wärmen, denn das ist unbedingt ein wichtiger Anteil auf jeder Wanderreise.
Ich wünsche Euch allen gutes Wandern im wörtlichen wie im übertragenen Sinne und freue mich über Eure ganz eigenen Wandererfahrungen und Motivationen!


Herzlichst Gloria Thaumiller

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