Die Rauhnächte - der sanfte Übergang zwischen den Jahren

Wir nähern uns mit schnellen Schritten der festlichen Weihnachtszeit und dem Jahreswechsel. Und während wir Zeitpläne aufstellen für diese besondere Zeit des Jahres, organisieren, einkaufen, backen, die „Stuben“ putzen, uns in Kaufhäusern durch Menschenmassen schieben, bekommen wir oft gar nicht mit, dass wir eintauchen in eine Zeit die nicht von dieser Welt ist. Diese Zeit zwischen den Jahren gilt seit Jahrtausenden - noch vor dem Entstehen des Christentums - als eine ganz besondere einzigartige Zeit.

Heute kennen viele von uns wieder einige Anteile aus den Bräuchen der so genannten Rauhnächte, einfach weil diese Bräuche und Rituale wieder zu kleinen Ankern werden, in einer Gesellschaft, in der wir uns immer mehr im Äußerlichen, in Leistung und im Materiellen verlieren. Letztlich ist dieses Phänomen auch auf unsere Weihnachtszeit übergeschwappt. Wo geht es noch darum die Stille dieser Zeit zu feiern und die Dunkelheit als Geschenk anzunehmen. Wo finden wir uns im Familienaustausch und in kleinen Ritualen wieder? Wo begehen wir diese Zeit ganz bewusst, auch in der Auseinandersetzung mit uns selbst?

Die Realität sieht oft so aus, dass wir uns zu unserem Alltagsstress hinzu noch „genötigt“ fühlen ein festliches Szenario zu erstellen, was meist zusätzlichen Druck und Stress bedeutet. Das Fest der Liebe mündet so nicht selten in gewaltsamer Geselligkeit und letztlich in Streitereien und Aggressionen. Lassen Sie uns diese Festtage einmal ganz neu, oder eher ganz alt betrachten. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit um sich in unsere Vorfahren hinein zu versetzen, die in vielen Dingen sicher ärmlicher waren, als wir es heute sind, die aber auf der anderen Seite auch den Reichtum besaßen diese Zeit tatsächlich besinnlich zu begehen. Diese Zeit war in früheren Zeiten die Zeit in der man sich in die Häuser, oder auch nur in die Hütten zurückzog. Die beschwerlichen Arbeiten des Frühlings, Sommers und des Herbstes waren getan und die Natur zwang die Menschen zur Ruhe. So versammelte man sich in den Stuben als Großfamilie inklusive den Mägden und Knechten um die eine Feuerstelle, die sowohl Wärme als auch Licht spendete. Die Alten erzählten Märchen und Geschichten, solche mit „Happy end“ und gruselige von Dämonen und Geistern. Es wurden Handarbeiten hervor geholt und geflickt und die kärglichen Vorräte gut eingeteilt. Es gab keine Straßenbeleuchtungen und künstlichen Lichtquellen, so dass die Dunkelheit allgegenwärtig war, dann wenn die Nächte am Längsten waren.

Und so hatten die Sagen und Geschichten von verlorenen Seelen, Dämonen, Geistern, Alben und dem Gott Wotan der mit seiner wilden Jagd zerstörerisch und tosend über das Land zog, den perfekten Nährboden.
Der Zeitraum dieser Rauhnächte ist in unterschiedlichen Zeitspannen überliefert. Häufig legen sich die 12 Rauhnächte vom 25.12. (beginnend um 0.00 Uhr in der Nacht vom 24.12. auf den 25.12.) bis 06.01. (endend in der Nacht vom 05.01. auf den 06.01. um 0.00 Uhr) fest. Die Zahl Zwölf symbolisiert so auch das Jahr mit seinen 12 Monaten, so dass man z.B. auch jeder Rauhnacht einen Monat im kommenden Jahr zuordnen kann. So entspricht der 25.12. also dem Januar und der 26.12. dem Februar usw. Daraus lassen sich Vorhersagen für den jeweiligen Monat treffen und es kann überaus spannend sein das Wetter, die eigene Stimmungslage, besondere Vorkommnisse aufzuzeichnen und dies immer wieder einmal das Jahr über entsprechend zu überprüfen.


Oft wird aber auch die Nacht der Wintersonnwende am 21.12. zu den Rauhnächten hinzu gezählt, weil dies die Nacht ist, in der das Licht wieder geboren wird. Wir im Naturhof Stillachtal, nehmen diese mystische stets als Einstieg in die magische Zeit der Rauhnächte. Mit einem Sonnwendfeuer und Segens- und Räucherritualen gehen wir so ganz bewusst in diese Tage, von denen man sagt dass alles durchlässiger ist, dass die Tore zu den „Anderswelten“ sich öffnen und dadurch Verbindungen in die anderen Welten möglich sind. Dass sich Dinge zeigen (z.B. dass man um Mitternacht an einer dunklen Kreuzung im Wald das Antlitz der/des Zukünftigen sehen wird) und verstorbene Ahnen uns besuchen, dass wir die Tiere sprechen hören und Botschaften aus der Natur erhalten.

Für uns heute klingt das alles nach ziemlichem Humbug und wir könnten mutmaßen dass die Menschen in vergangenen Zeiten ob des Hungers und der Kälte halluzinierten, und dennoch ist diese Zeit auch für uns eine Chance. Auch wir modernen aufgeklärten Menschen - oder gerade wir!- haben es nötig uns hin und wieder zu justieren und neu auszurichten. Und dazu ist diese fünfte Jahreszeit in der kosmisch alles so sensibilisiert scheint und in der wir oft unsere verschlossenen Herzen ein wenig weiter öffnen, als gewöhnlich, geradezu prädestiniert.

Nutzen Sie also diese Zeitspanne zwischen dem 21.12. und dem 06.01. um über Rituale und Meditationen in sich zu gehen, um wieder einmal in die Tiefe der Gefühle und Wünsche und Träume hinabzusteigen. Um unser inneres Haus zu entrümpeln und dort einen wahrhaftigen Hausputz zu machen, so dass Neues einziehen und sich niederlassen kann. Machen Sie sich die frühe Dunkelheit dieser Tage zum Freund und erfahren Sie Stille nicht als bedrückend sondern als heilsam und wohltuend in unserer ach so lauten Welt. Erfahren Sie sich ganz bewusst einmal anders. Werfen Sie Vorstellungen und Vorurteile über Bord und trauen Sie sich bis dahin versagte Schritte zu. Nehmen Sie die Unterstützung der magischen zeit für sich an und in Anspruch, wie immer das aussehen darf und kommen Sie ins annehmen und immer wieder auch ins passive Erfahren, dort wo wir meist überborden vor Aktivität. Werden Sie still und lernen Sie hinzuhören und hinzuspüren und haben Sie bitte keine Angst. Die Dämonen der heutigen Zeit sind oft soviel gruseliger als eine verirrte Seele. Unser Rückzug aus dem Gefühlsleben, unsere Durchsichtigkeit in allen Belangen und unsere Dauer-Erreichbarkeit sind nur einige der Dämonen die täglich durch unser Leben rasseln und soviel bedrohlicher für unser Wohl sind als die wilde Jagd.

Nehmen wir die Rauhnächte als Chance um uns zu erden nach einem intensiven Jahr und Kräfte zu sammeln für das Jahr, das nun ansteht. Und blicken wir mit Ehrfurcht auf die Bräuche, Rituale, Orakel und Gepflogenheiten unserer Vorfahren. Seien wir dankbar für ihre „Vorarbeiten“ und achten wir sie in dem wir diese intensive Zeit für uns nutzen.

Decken Sie sich ein mit Kerzen und Schreibmaterialien. Es empfiehlt sich ein Tagebuch für die Rauhnächte zu führen und speziell auch ein Traumtagebuch. Es sollte immer ein Licht im Fenster stehen, dass das abhält was uns nicht wohl gesonnen ist und gleichzeitig die Geburt des Lichtes in dieser Zeit symbolisiert. Erfahren Sie bereits angebrochene Adventszeit als den Weg zu den Rauhnächten, denn bereits jetzt gilt es Vorbereitungen abseits der Weihnachtsgans zu treffen. Und lassen Sie uns gleich heute damit beginnen. Füllen Sie sich heute ein Beutelchen mit Nüssen, welches Sie heute durch den Tag begleitet. Für jedes positive Erlebnis heute nehmen Sie eine Nuss aus dem Beutelchen und geben Sie in eine Jacken- oder Hosentasche. Und achten Sie darauf was sie positiv empfinden… z.B. ein Lächeln in der Straßenbahn, ein gutes Gespräch, ein besonderer Moment, ein tiefer Atemzug oder, oder, oder… Und abends nehmen Sie die Nüsse aus der Tasche uns sehen wie viele solcher Momente Ihnen dieser Tag beschert hat.

Ich begleite Sie gerne hier in unserem Stillachtal Blog durch die kommende Zeit bis zum 06.01.2017. Hier finden Sie fast täglich Impulse zu den Rauhnächten und zu schönen Ritualen.

Ich freue mich auf eine ganz besondere intensive Zeit mit IHNEN, weil wie immer jede Begegnung zählt.


Herzlichst Gloria Thaumiller

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