Das Licht wird in der dunkelsten Nacht geboren…

Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.

Konfuzius

Wintersonnwende... wir stehen vor der längsten Nacht des Jahres. Die Nacht und die Dunkelheit nimmt viel Raum ein, auch in den Bräuchen und Ritualen der Rauhnächte. In vielen Überlieferungen wird diese Nacht vom 21.12. auf den 22.12. bereits zu den Rauhnächten hinzu gezählt. Sie gilt dann als der zeremonielle Beginn der Rauhnächte, als die Nacht in der das Licht neu geboren wird und bis zum 24.12. im Schoß von Mutter Erde gewiegt und gehalten, bis sich dann das Licht allmählich wieder sichtbar gegen die Nacht durchsetzt.

Das Sonnwendfest ist auch aus vielen älteren Kulturen her bekannt und hatte schon eine große Bedeutung, bevor das Weihnachtsfest gefeiert wurde. Bereits die Kelten oder auch die alten Griechen feierten an diesem Tag ein kosmisches Sonnenfest, an dem sie unter anderem der Geburt verschiedener Götter huldigten. Diese Nacht hat also zweifelsohne ihre ganz eigene Energie und auch wir dürfen unser eigenes Licht in dieser Nacht neu gebären und würdigen.

Heute kämpfen wir in der Regel nicht mehr gegen die Dämonen der Dunkelheit und fürchten uns nicht mehr vor „Der wilden Jagd“, die arme verirrte Seelen jagt. Unsere Dämonen und dunklen Schattenseiten heute habe andere Gesichter und sind nicht minder bedrohlich.

Gerade erst hat die dunkle Macht des Terrors fast vor unserer Haustüre wieder zugeschlagen. Und wie die Dämonen , die die Alten fürchteten, wissen wir auch heute hier nie wann und wo das Dunkle sich zeigt und Menschen ins Unglück stürzt. Andere Dämonen wüten in Kriegsgebieten und wieder andere wohnen gar in uns selbst. Diese Dämonen wachsen unaufhörlich aus unserer eigenen Angst heraus. Es sind die Dämonen des Leistungsdrucks zB. Immer noch und immer mehr zu leisten. Immer mehr darin zu investieren um alle Ansprüche erfüllen zu können. Der Druck allem gerecht zu werden was unser Leben ausmacht, oder ausmachen soll wächst gerade in der Vorweihnachtszeit nahezu stündlich. Und dieser Dämon begleitet uns nicht selten bis in unsere Träume hinein und beginnt uns im wahrsten Sinn des Wortes zu verbrennen, deshalb hat er auch von unserer ach so hoch entwickelten Gesellschaft den Namen „Burnout“ erhalten. Und schon ganz junge Menschen füttern und nähren heute diesen Dämon in sich, weil es angeblich so gefordert wird.

Hier - und an vielen anderen Stellen - erfahren wir heute unsere Dämonen, gegen die wir uns manchmal schier machtlos fühlen. Hier erleben wir unsere ganz eigene Dunkelheit und oft ist es in uns so dunkel dass wir unser eigenes Licht nicht mehr erkennen.

Heute ist somit ein guter Tag um uns heute Abend für einige lange Momente einmal ganz bewusst in die Dunkelheit zu begeben. Lösche jede Lichtquelle und setz Dich bequem hin, hinein in die völlige Dunkelheit. Mach Dir bewusst dass Du Dich in der dunkelsten Nacht des Jahres befinde und schau hin, wie die Dämonen Deiner Dunkelheit aussehen. Erwarte nichts , bewerte nicht, erkläre und analysiere nicht, sondern versuche offen zu sein für all das was sich in dieser Dunkelheit zeigen mag. Vielleicht begegnet Dir eine Angst, dann lass die Angst da sein. Vielleicht begegnet Dir Druck, dann versuche ihn nicht abzublocken. Vielleicht begegnet Dir ein Schuldgefühl oder ein schlechtes Gewissen und auch das darf da sein. Und natürlich alles was sich noch dazugesellen mag an Dämonen der „modernen Zeit“. Es geht in dieser Dunkelheit nur darum unsere inneren Dämonen kennen zu lernen, sie einzuladen sich einmal zu zeigen, sich die Zeit zu nehmen um sich ganz diesen Dämonen zu widmen. Meistens wabern sie irgendwo in uns herum und machen uns grantig und krank, aber heute schenken wir Ihnen in dieser Dunkelheit einmal unsere ganze Aufmerksamkeit.Meistens möchten wir genau diese dunklen Dämonen beseitigen, aber das wird uns nicht gelingen wenn wir sie nie wirklich kennengelernt haben. Und in dieser magischen Nacht können wir auf die beste Unterstützung hoffen.

Wenn wir uns all diesen Dämonen gewidmet haben, wenn wir sie angehört und anerkannt haben nehmen wir bewusst ein paar tiefe Atemzüge, bevor wir dann eine einzige Kerze entzünden. Ganz rituell entzünden wir das Licht, das tatsächlich in der dunkelsten Nacht geboren wird. Und in diesem Licht der Kerze dürfen wir dann sehen, wie die Dämonen kleiner werden und welche Kraft unser Licht hat. Gerne dürfen wir auch aufschreiben wo wir künftig wieder mehr Licht in unser Sein und Tun bringen können, so dass wir uns mehr und mehr am Licht orientieren anstatt an der Dunkelheit.

Gerade auch im Hinblick auf den Anschlag in Berlin erachte ich es als wichtig sich dem Licht zuzuwenden. Gestern morgen hörte ich ein Radio Interview in dem ein Vater sagte ab sofort würde er seinem Kind jeden Umgang mit Asylantenkindern verbieten, weil genau die daran schuld seien, dass so etwas geschehe …. Und da ist das Zitat von Konfuzius so wärmend: „Es ist besser ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen“.

Denn sonst vervielfachen wir das Dunkle. Es ist unsere Entscheidung wo wir unsere Aufmerksamkeit hinwenden, ob wir das Dunkle verstärken oder ob wir das Licht unterstützen. In der Nacht, in der das Licht geboren wird, ist es ein wundervolles Zeichen ganz bewusst das Licht zu wählen. Ein Licht ins Fenster zu stellen für das Licht in uns und ein Licht daneben für alle die, die Opfer der Dunkelheit geworden sind. Und auch die Asylantenkinder, die durch den Zorn des Vaters oben einen Freund verlieren, sind ein Opfer davon. Wir dürfen den Dämonen Wut Angst und Ohnmacht und Hilflosigkeit begegnen, wir dürfen uns aber auch für das Licht entscheiden und ein lichtvolles Zeichen setzen. Es ist unsere ureigene Entscheidung ob wir diese Welt ein wenig erhellen oder einen weiteren Schritt Richtung Dunkelheit gehen.

Ich freue mich auf das Licht in dieser Nacht, denn selten hat diese Welt es nötiger gehabt als gerade heute!
Herzlichst Gloria Thaumiller

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